Ökologische Konsequenzen

 

Die Implikationen dieses romantischen Symbols für den Umgang mit Technik im Allgemeinen und der kommunikativen Behandlung von grüner Gentechnik im Besonderen, können kaum überschätzt werden. Dem modernen Leitbild einer (temporal verstandenen) Natürlichkeit zufolge, kann die Natur nicht verbessert werden. Jeder Eingriff in das, was als natürlich gilt, muss dann vielmehr als Angriff auf jene symbolischen Vertrautheiten gedeutet werden. Der Versuch einer „Verbesserung“ der Natur öffnet dem Unvertrauten Tür und Tor, er beschädigt die implizite Erwartung, dass es trotz aller Kontingenzen der Gesellschaft immer noch einen stets verlässlichen Anker von Stabilität und Sicherheit gibt.

Die grüne Gentechnik ist für diese Problematik mehr als nur ein illustratives Beispiel – sie bringt vielmehr das Problem gegenwärtiger Natur-Gesellschaft-Verhältnisse auf einzigartige Art und Weise zum Ausdruck. Sie ist nämlich nicht nur eine Technik, welche die bestehende Natur in ihrer fragilen Natürlichkeit bedroht, sie verwandelt diese fragile „natürliche“ Natur zugleich in eine monströse „widernatürliche“ Natur, die als Projektionsfläche für kollektive Ängste und Befürchtungen fungieren kann.

Doch die Gesellschaft ist kein Schauerroman, gentechnisch veränderte Pflanzen sind keine Monster. Je mehr Natürlichkeit als Wert zu einem zeitlichen Begriff wird, desto mehr bedient er lediglich konservative Abwehrreflexive. Die Flucht in eine idealisierte Vergangenheit hilft in einer durch und durch technisierten Welt nicht mehr weiter. Die Leistungsfähigkeit der Natürlichkeitssemantik zur Gestaltung der Zukunft ist somit bescheiden. In einer Welt, in der sozio-technische Praktiken mittlerweile den gesamten Globus durchziehen, scheint eines sicher: Die Zukunft wird mehr denn je von gesellschaftlichen Entscheidungen und technischen Installationen und Infrastrukturen geprägt sein. Der Weg zurück ist verschlossen.